Das Ende – das Sterben – einer Freundschaft durch den Verzicht,
die Aufgabe, die Trennung oder gar den Tod eines Freundes
ist kein gefühlvollerer Vorgang oder ist keineswegs sentimentaler,
als sonst in irgendeiner mitmenschlichen Beziehungen zu erwarten
wäre.
Freundschaft ist nicht freier, aber auch nicht praller an Gefühlen,
Versprechungen, Enttäuschungen, Hoffnungen als gewöhnliches Leben.
Es scheint, als verdiene jene oft beschworene Freundschaft
bis in den Tod hinein nur dann tatsächlich Freundschaft genannt
zu werden, wenn sie selbst jenen pathetisch prophezeiten Tod
nie wirklich erleben muss.
Dass eine solche, fast immer auf ewig geschworene Beziehung,
den eigenen Tod, das eigene Ende, die Trennung beider Freunde
in Jahrhunderten bereits hunderttausendfach erleben musste und
weiter erleben wird, gehört dazu. Menschen sind vergänglich,
Erlebnisse sowieso. Freunde erst recht.

